Harro Schulze-Boysen...

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Harro
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Lid geworden op: 03 nov 2004, 18:27

Harro Schulze-Boysen...

Bericht door Harro »

Voor mensen die zich verwonderen over mijn nickname:

Harro Schulze- erst später nannte er sich Schulze-Boysen- wurde am 2. September 1909 in Kiel geboren. Das Datum dieses Geburtstages, dieser "2. September", passte zu der national und kaisertreu eingestellten Familie: Am 2. September war "Sedanstag", ein nationaler Feiertag im Kaiserreich; er erinnerte an die entscheidende Schlacht im deutsch-französischen Krieg von 1870/71: an einen großen Sieg der preußisch-deutschen Truppen verbunden mit der Gefangennahme des französischen Kaisers, Napoléons III.

Harros Vater war Offizier der kaiserlichen Marine, sein Großonkel war Großadmiral Alfred von Tirpitz, der Kaiser Wilhelm II. sehr nahestand. Preußische Werte galten viel in der Familie und prägten auch Harro; preußische Werte im guten Sinne: Sparsamkeit,Verantwortungsbewußtsein,Pflichterfüllung,Vaterlandsliebe, Streben nach Bildung, notfalls auch Härte gegen sich selbst, aber auch Toleranz und Weltoffenheit.

Die Familie lebte inzwischen in Berlin. Der Zusammenbruch des Kaiserreiches und der alten Ordnung sowie die Härte des Versailler Vertrags bewirkten eine tiefe Erschütterung. Bei Harro rief diese aber nicht den Wunsch nach der Wiederherstellung der alten Ordnung hervor, sondern er begriff ihn zunehmend als Chance zu einem Neuanfang.
Damit passte er gut in das historische Umfeld, war doch die Nachkriegszeit, die Zeit der Weimarer Republik, eine Epoche großer Umbrüche, geistiger Regsamkeit, ja Erregung; eine Zeit des Suchens und großer Visionen und Experimente sowie revolutionärer Bereitschaft. Im Bereich der Politik, aber auch im Bereich der Gesellschaft, Wirtschaft und Kunst.

Verschiedene Modelle, einen Staat, eine Wirtschaft, eine Gesellschaft zu organisieren, stritten um Anerkennung. Es gab sogar schon die Vision einer "europäischen Union", eines "Paneuropa"! Kurz: Eine hochinteressante Epoche! Für viele aber auch eine Zeit der Not (Kriegsfolgen, Inflation, Arbeitslosigkeit).

Gerade für einen jungen Menschen wie Harro, auf der Suche nach einem eigenen Weg, einem eigenen Standpunkt, war dies eine Zeit voller Anregungen, Herausforderungen, geistiger Abenteuer und Verlockungen.
Mit der alten, der "bürgerlichen", der kapitalistischen Welt jedenfalls schien es vorbei zu sein; die war- nach der Meinung vieler- auf den Schlachtfeldern, in den Schützengräben zerstört worden, zumindest der Glaube an sie.

Viele erkannten das Problem und die Notwendigkeit, das "Volk", die "Volksmassen" neu einzubinden in den Staat und die Gesellschaft. Das Volk, das ja im Krieg die größten Opfer gebracht, den größten "Blutzoll" entrichtet hatte,
Es schien zwei große Alternativen zu geben: das "Amerikanische System": ungehemmter Kapitalismus, aber mit Massenproduktion, Massenkonsum und Massenunterhaltung und mit möglichst uneingeschränkter Freiheit des Individuums und das sowjetische Modell mit Abschaffung des Kapitalismus, mit sozialistischer Planwirtschaft und der "Befreiung der Massen aus der Klassengesellschaft" und der allmählichen Hebung des "Volkswohlstandes", unter der Führung einer Partei.
Daneben trat sehr bald ein "dritter Weg" ins Gesichtsfeld: Eine Bewegung, die behauptete, zwei alte Strömungen - Nationalismus und Sozialismus- miteinander zu versöhnen: der italienische Faschismus und später der deutsche Nationalsozialismus, die beide "Sozialismus" versprachen, dann aber - wie sich bald herausstellte- doch lieber mit den "Kapitalisten" und den alten Eliten zusammenarbeiteten; der "Sozialismus" wurde umgedeutet zur "Volks-" und zur "Kampfgemeinschaft".
Da man in Deutschland im rechten wie im linken Lager einen enormen Zorn auf die Hauptsiegermächte des Ersten Weltkrieges hegte, auf Großbritannien, Frankreich und die USA, die den Deutschen den "Schandfrieden von Versailles" diktiert hatten und da man- vor allem in intellektuellen Kreisen- ein großes Misstrauen gegen den "American Way of Life" pflegte, suchte man dort – im Westen- nicht nach Leitbildern. Die neugierigen Blicke derjenigen, die immun blieben gegenüber dem Faschismus und Nationalsozialismus, richteten sich vielmehr auf die junge Sowjetunion. Dort baute man eine ganz neue Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung auf, und das Land befand sich - nach Beendigung des Bürgerkrieges- in einem beachtlichen Aufschwung. Die sowjetische Propaganda tat ein übriges, ein sehr positives Bild zu vermitteln.
Als dann in den "kapitalistischen" Ländern die Weltwirtschaftskrise einsetzte, mit Zusammenbrüchen von Banken und Firmen, mit Massenarbeitslosigkeit und Massenelend, sahen sich viele in ihrer Auffassung vom "Untergang des Kapitalismus" bestätigt.
Wege aus der Krise schien das andere System, der "Sozialismus" zu bieten, der damals nur in einem Land der Erde, in der SU, praktiziert wurde. Das Interesse an der SU stieg, Berührungsängste wurden abgebaut, man hatte schon Kontakte zur SU oder suchte sie, aus den unterschiedlichsten Motiven:
Die deutsche Reichswehr übte in der SU an -laut Versailler Vertrag verbotenen- schweren Waffen; die deutsche Industrie erhoffte sich Aufträge und testete PKWs, LKWs und Motorschlitten in Langstreckenfahrten auf russischen Straßen. Avantgardistisches russisches Theater wurde in deutschen Städten bestaunt. Sogar amerikanische Bürger, arbeitslos, machten sich per Schiff auf den Weg in das "gelobte Land".
Wissenschaftler studierten das System der sowjetischen Planwirtschaft, so z.B. Arvid Harnack, ein späterer Verbündeter Harro Schulze-Boysens.

1922 fand der zwangsweise ins Zivilleben entlassene Vater eine Anstellung bei der DEMAG in Duisburg. Die Familie (Vater Erich Edgar, Mutter Marie-Louise, geb. Boysen, Sohn Harro, Schwester Helga und Bruder Hartmut) bezog eine Werkswohnung in der Karl-Lehr-Straße.
Nach Kiel und Berlin war die Umstellung auf Duisburg ein Schock: Vom Lärm, der schlechten Luft, der Kulisse der Industriestadt erholte sich Harro bei verschiedenen Aufenthalten in Schweden.

Von 1922 bis 1928 ging Harro auf das Städtische Realgymnasium, das spätere Steinbart-Gymnasium. Ein guter Schüler war er zunächst nicht, entwickelte sich aber in der Oberstufe positiv und bestand 1928 das Abitur als einer der Jahrgangsbesten. Er war sehr früh politisch interessiert und engagiert, was ihn auffallen ließ unter seinen Mitschülern und ihn - laut Auskunft befragter Ehemaliger vom Steinbart-Gymnasium- in eine Außenseiterrolle brachte. Dennoch war er mehrfach Klassensprecher und hielt die Abschlussrede seines Abiturjahrganges.
Als Beispiele seines politischen Engagements seien genannt:
die aktive Teilnahme (1923) am "Ruhrkampf" gegen die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebiets und die Mitgliedschaft im "Jungdeutschen Orden", einer Mischung aus bürgerlicher Jugendbewegung und aus der Nachkriegs- Freikorps-Bewegung. Als politisches Bekenntnis kann auch die begeisterte Festrede gesehen werden, die er als Primaner 1927 im Steinbart-Gymnasium hielt: eine Festrede auf den damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, den "greisen Sieger von Tannenberg", anlässlich seines 80. Geburtstags.
In Hindenburg sahen damals bürgerlich-nationale Kreise, auch viele Jugendliche, die Nation und das Vaterland verkörpert und signalisierten mit ihrer Hindenburg- Verehrung Kritik, ja Ablehnung an die Adresse der ersten deutschen Republik, der "Republik von Weimar".
Teilnahme am "Ruhrkampf", Mitgliedschaft und Aktivitäten im JDO, Verehrung Hindenburgs lassen Harro damals als national orientierten, wenn man will "rechten" jungen Menschen erscheinen, aber nicht im Sinne des bürgerlich- konservativen Lagers, wo man von einer Neuauflage der Monarchie träumte.
Hinzukam bei Harro ein kluges Gespür für die Bedeutung des "Volkes", der "Volksmassen", die es zu integrieren, zu beteiligen galt.
Harro und viele seiner Mitstreiter im JDO misstrauten allen politischen Parteien, lehnten sie mehr oder weniger ab. Es galt Klassen- und Parteiengegensätze zu überwinden. Man suchte nach neuen Wegen und Organisationsformen und strebte nach einer Veränderung der Gesellschaft, nach neuen Lebensstilen und Umgangsformen, in Abgrenzung zu den "bürgerlichen" Lebensformen.

Nach dem Abitur am Steinbart-Gymnasium(1928) studierte Harro Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und dann in Berlin.
Berlin, in den Zwanziger Jahren neben oder gar vor Paris inoffiziell "Kulturhauptstadt" Europas, aber auch Schauplatz heftiger politischer Auseinandersetzungen, faszinierte Harro, hier fühlte er sich wohl. Er mischte sich ein, wollte etwas bewirken, mit geistigen Waffen.
Bald vernachlässigte er das Studium und ließ sich 1931 offiziell beurlauben.

Er war zunächst Redakteur, später Chefredakteur und dann Herausgeber der Zeitschrift "Gegner" und er wurde der führende Kopf des "Gegner-" Gesprächskreises. Dort beschäftigte man sich kritisch mit dem NS und suchte nach Alternativen zur bestehenden Parteienlandschaft, zur bestehenden Gesellschaftsordnung. Im Gesprächskreis waren alle politischen Richtungen willkommen, Offenheit und Toleranz erwünscht.
1930 und 1932 errang die NSDAP bei den Reichstagswahlen sensationelle Erfolge; 1932 kandidierte Hitler für das Amt des Reichspräsidenten, weil ihn die Machtfülle dieses Amtes interessierte. Nur mit Mühe konnte Hindenburg gegen ihn gewinnen. Die Gefahr, die von Seiten der NSDAP drohte, wurde immer offenkundiger.
Die KPD als Alternative (Thälmann) lehnte Schulze-Boysen ab, da sie ihm zu dogmatisch und moskauhörig erschien.
Dennoch war erkennbar, dass sich Schulze-Boysen in dieser Zeit – Weltwirtschaftskrise, Gefahr einer faschistischen Diktatur- nach "links" entwickelte, ohne seine nationale Einstellung aufzugeben. Viele rechneten und rechnen ihn daher der Bewegung des "Nationalbolschewismus"(Ernst Niekisch) zu oder sprachen von "linken Leuten von rechts".
Sein Interesse galt überwiegend Menschen, die am Rande der festgefahrenen politisch-ideologischen Gruppierungen angesiedelt waren, und von diesen wurde er auch so wahrgenommen.

Nach dem 30. Januar 1933 und spätestens nach der sogenannten "Reichstagsbrandverordnung" vom 28.2. und dem "Ermächtigungsgesetz" vom 24.3. 1933 kam in Deutschland das Ende vieler Freiheiten, so auch das Ende der Pressefreiheit. Es war nur eine Frage der Zeit, dass eine oppositionelle Zeitschrift wie der "Gegner" ins Visier der Obrigkeit und ihrer Büttel geriet: Ende April 1933 wurden die Redaktionsräume des "Gegners" durchsucht, die anwesenden Mitarbeiter abgeführt. Man brachte sie nicht in ein ordentliches Gefängnis, sondern in ein improvisiertes, "wildes" Lager der SA. Dort wurden sie misshandelt, auch Schulze-Boysen; ein Freund wurde zu Tode geprügelt.
Diese wahrlich "persönliche" Begegnung mit dem NS-Regime bestärkte ihn in seiner ablehnenden Haltung; bei ihm wuchs aber auch die Erkenntnis von der Gefährlichkeit des Feindes. Er zeigte großes Mitgefühl für verfolgte KPD- und SPD-Mitglieder und bot seine Hilfe an, sich ins Ausland zu retten oder unterzutauchen.
Denn man darf nicht vergessen: Die ersten Opfer der regierenden Nazis waren deutsche Kommunisten, deutsche Sozialdemokraten, deutsche Gewerkschafter.

Aus der Haft befreit wurde er durch die Mithilfe seiner damaligen Freundin und vor allem durch den persönlichen Einsatz der Mutter und durch die guten Beziehungen seines Vaters zu ehemaligen Marinekameraden.
Wohl ebenfalls durch die guten Beziehungen seiner Eltern kam er 1933 zu einem Fliegerlehrgang nach Warnemünde. Dort erhielt er eine Ausbildung zum Seebeobachter.

In der Folgezeit fuhr er eine Doppelstrategie: äußerlich gab er sich loyal; innerlich und im Umgang mit Gleichgesinnten war er nach wie vor Gegner des NS- Regimes.

Als Unteroffizier, später als Offizier, fand er eine Anstellung irn Reichsluftfahrtministerium in Berlin, unter Hermann Göring, Abteilung: "Fremde Luftmächte". Hier kamen ihm seine Fremdsprachenkenntnisse zugute und er hatte Zugang zu ausländischen Presseerzeugnissen und zu internen Informationen des Ministeriums.
1936 heiratete er die lebensfrohe, intelligente und - so wird berichtet -sehr attraktive Libertas Haas-Heye. Diese war anfangs noch NSDAP-Mitglied, trat aber 1937 aus der Partei aus und wurde eine selbständige Streiterin für die gemeinsame Sache bzw. gegen den gemeinsamen Feind. Libertas wurde später am selben Tage wie ihr Mann hingerichtet: Sie wurde guillotiniert, er erhängt.

Nach ihrer Heirat und dem Umzug in eine geräumige Wohnung entwickelten sich Harro und Libertas Schulze-Boysen zum Mittelpunkt eines oppositionellen Berliner Freundes- und Diskussionskreises. Man suchte nach Wegen aus der NS- Herrschaft und nach Möglichkeiten der Neugestaltung Deutschlands ohne Nationalsozialisten. Aber es wurde nicht nur gearbeitet und diskutiert: man musizierte, las aus Büchern vor , machte Ausflüge und feierte Feste.
Es fehlte auch nicht an Kontakten zu anderen Gruppen ähnlicher Gesinnung.
Bei den Treffen im Hause Schulze-Boysen traf man Leute ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft und mit unterschiedlichen Berufen und politischen Zielen an. Es scheint eine besondere Gabe Harro Schulze-Boysens gewesen zu sein, Gräben zu überwinden, Brücken zu bauen.
Man redete nicht nur, sondern half auch Verfolgten unterzutauchen oder zu emigrieren, verfasste Flugschriften, Flugblätter und Klebezettel; suchte Kontakte zu Gleichgesinnten in ganz Deutschland.

1938 machte eine erste Flugblattaktion den Spanischen Bürgerkrieg zum Thema und im Oktober desselben Jahres - nach der Angliederung des Sudetenlandes- bezeichnete ein Flugblatt diesen "Erfolg" Hitlers als weiteren Schritt auf dem Wege zu einem neuen Krieg, während der britische Premierminister Chamberlain nach seiner Rückkehr von der Münchener Konferenz, auf der man das Sudetenland dem Deutschen Reich zugesprochen hatte, noch von "Peace for our Time" schwärmte.
Im Kriegbeginn, ausgelöst durch den deutschen Überfall auf Polen am 1.9.1939, sah Schulze-Boysen den Anfang eines Weltkrieges. Das war für ihn eine Katastrophe, aber zugleich die Hoffnung auf eine baldige Beseitigung der NS-Herrschaft, denn diesen Krieg konnte Hitler nicht gewinnen. Danach, so Schulze-Boysen, bestünde die Chance zu einem grundlegenden gesellschaftlichen Neuanfang.

Die Niederlagen der Westmächte in Norwegen und Frankreich im Jahre 1940 bestärkten Schulze-Boysens Glauben an den baldigen Zusammenbruch, zumindest an eine entscheidende Schwächung, des kapitalistischen Systems in Europa. Nach diesen Niederlagen Frankreichs und Großbritanniens schien eine Niederschlagung des NS-Regimes nur mit Hilfe der Sowjetunion möglich zu sein, die aber damals noch durch den "Hitler-Stalin-Pakt" (vom August 1939) mit Hitler-Deutschland "befreundet" war.
In seiner positiven Haltung gegenüber der SU wurde Schulze-Boysen durch Kontakte mit Arvid Harnack (Regierungsrat im Reichswirtschaftsministerium) und dessen Freundeskreis bestärkt. Harnack hatte Kontakte zur sowjetischen Botschaft in Berlin ,mit Alexander Korotkow.
Harnack wie Schulze-Boysen glaubten, die SU durch Kontakte, Gespräche, Informationen dafür gewinnen zu können, sich nach dem Krieg für ein unabhängiges Deutschland einzusetzen, damit man nicht wieder- wie nach dem Ersten Weltkrieg- einen einseitig vom Westen diktierten Friedensvertrag akzeptieren müsste. Beide wollten die nationale Souveränität Deutschlands bewahren; sie lehnten jede Gängelung durch Moskau ab.

Ab Januar 1941 arbeitete Harro Schulze-Boysen im Hauptquartier der Luftwaffe, nahe Potsdam. Das machte ihn für die sowjetische Seite noch interessanter. Am 27.März 1941 kam es zu einem ersten Kontakt zwischen Schulze-Boysen und Korotkow; ein Kontakt, den wohl Harnack vermittelt hatte. Korotkow berichtete über dieses Gespräch per Funk nach Moskau.
In Berliner und Münchener Widerstandskreisen kursierte im Frühjahr 1941 eine Schrift Schulze-Boysens über Napoleon: Sie stellte Verbindungen her zwischen der napoleonischen Eroberungspolitik und Hitlers Plänen für einen Überfall auf die SU. Das Scheitern Napoleons in und an Russland stand damals auch vielen anderen Offizieren, die mit der Vorbereitung des Russlandfeldzuges befasst waren, vor Augen.
Nach Beginn des Überfalls auf die SU (22.6.1941), vor dem Harnack und Schulze-Boysen , aber auch andere, die sowjetische Seite vergeblich gewarnt hatten, sprach dieser von einer "Zeitenwende": Für ihn und andere Hitlergegner war der Krieg im Osten der Anfang vom Ende der NS-Diktatur.

Ein für die Kriegszeit geplanter Funkverkehr zwischen Berlin und Moskau kam nicht zustande. Daher erhielt Ende August der im besetzten Belgien (in Brüssel) tätige Sowjetagent "Kent" aus Moskau den Auftrag, sich zur Behebung der Schwierigkeiten bei der Nachrichtenübermittlung nach Berlin zu begeben. In dem verschlüsselten Funkspruch aus Moskau waren Adressen und Telefonnummern angegeben, u.a. die Schulze-Boysens. Das sollte der Gruppe später zum Verhängnis werden!
Es kam dann zwar zu dem geplanten Treffen zwischen Schulze-Boysen und "Kent"; der Funkverkehr kam aber nicht in Gang.
Die spätere Behauptung eines "regen Funkverkehrs" zwischen Berlin und Moskau oder mit sowjetischen Agenten in Paris oder Brüssel gehört also in den Bereich der Legende.
Anstatt sich immer konspirativer zu verhalten, erweiterte sich der Kreis von Gleichgesinnten und Freunden um Harro Schulze-Boysen und Libertas ständig. Arvid Harnack soll SB einmal als "Sicherheitsrisiko" bezeichnet haben.

Anfang Dezember 1941: Vor Moskau beginnt die sowjetische Gegenoffensive. Das Unternehmen "Barbarossa" ist gescheitert, nicht erst nach Stalingrad. Zum ersten Male erleidet Hitler-Deutschland eine militärische Niederlage. Am 11. Dezember 1941 erklärt die deutsche Regierung den USA den Krieg. Schulze- Boysen fühlt sich in seiner Einschätzung über den Kriegsverlauf bestätigt: Weltkrieg; zu befürchtende totale Niederlage Deutschlands.

Mitte Dezember 1941: In Brüssel wird die Funkstelle des Sowjetagenten "Kent" ausgehoben. Von nun an arbeitet die deutsche Funk- und Spionageabwehr an der Entschlüsselung des Codes, um die aufgefangenen Funksprüche aus und nach Moskau lesen zu können. In Brüssel und Paris vermutet man die Zentren der sowjetischen Agententätigkeit.

Im Frühjahr 1942 bilden deutsche Abwehr und Gestapo im besetzten Belgien eine Fahndungskommission mit der Bezeichnung "Rote Kapelle". In der Sprache der Abwehr heißen die einzelnen -versteckt arbeitenden - Funker- "Pianisten"; mehrere "Pianisten" bilden eine "Kapelle" ("un orchestre"), und da die Abwehr davon ausgeht, dass diese verschiedenen Funkstellen mit Moskau in Verbindung stehen, nennt man das Ganze "Rote Kapelle" ("l’orchestre rouge").
Unterdessen wird vom Schulze-Boysen-Kreis eine Flugschrift verfasst und verbreitet mit dem Titel: "Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk". Dort heißt es z. B.: "Wer die Zukunft des deutschen Volkes weiterhin mit dem Geschick Hitlers gleichsetzt, begeht ein Verbrechen." Die Notwendigkeit eines Bündnisses mit der Sowjetunion wird betont, eine einseitige Beendigung des Krieges im Westen wird als Illusion bezeichnet. Aktiver und passiver Widerstand auf breitester Front seien unumgänglich.
Libertas Schulze-Boysen sammelt an ihrer Arbeitsstelle Fotos und anderes Material über Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung im Osten. Auch diese erschreckenden Erkenntnisse finden Eingang in eine Flugschrift.
Auf eine antisowjetische Propagandaausstellung des NS-Regimes antwortet der Schulze-Boysen-Freundeskreis mit einer nächtlichen Zettelklebeaktion in verschiedenen Berliner Stadtteilen. Als die Berliner am Morgen zur Arbeit gehen, können sie lesen: "Ständige Ausstellung. Das Nazi-Paradies. Krieg, Hunger, Lüge, Gestapo. Wie lange noch ?"
Im selben Jahr kommt es auch zu Kontakten mit Leuten aus dem Kreisauer Kreis, die zwei Jahre später am Staatsstreichsversuch des 20. Juli (1944) beteiligt sein werden. Diese Kontakte konnten nicht mehr vertieft werden.

Inzwischen zieht sich die Schlinge um Schulze-Boysen zu: Im Juni 1942 verhaftet das Sonderkommando "Rote Kapelle" in Brüssel den Funker Johann Wenzel. Nach wiederholter schwerer Folter gibt er Anfang August die entscheidenden technischen Informationen preis: Die deutsche Funkabwehr kann jetzt die aufgefangenen Funksprüche entschlüsseln, erfährt somit Namen, Adressen und Telefonnummern von Regimegegnern, auch die von Schulze-Boysen. Die Gestapo beginnt, Schulze-Boysen zu beobachten.

Am Montag, den 31.8.1942, wird Schulze-Boysen ins Luftfahrtministerium gebeten; im Foyer wird er verhaftet. Er kommt sofort in das nahe Gefängnis der Gestapozentrale.
Am 7.9. werden Arvid Harnack und seine Frau Mildred festgenommen, am 8.9. Libertas Schulze-Boysen. Weitere Verhaftungen von über 120 Personen folgen.

Die NS-Führung, allen voran Hitler, empfindet den Fall als besonders peinlich und gefährlich, weil diese Widerstandsgruppe so vielschichtig und vielseitig und damit nicht eindeutig zuzuordnen ist. Man erklärt den Fall daher zur "Geheimen Reichssache".
Als Harros Vater seinen Sohn am 30. September in der Haft besuchen darf, erklärt dieser ihm, jede Hilfe sei zwecklos; er sei entschlossen, die Folgen seines Handelns auf sich zu nehmen.

Anfang November 1942: Der "Fall Schulze-Boysen" wird dem Kriegsgerichtsrat Manfred Roeder beim Reichskriegsgericht übergeben; er vertritt die Anklage.
Mitte November erhält Roeder den Abschlußbericht der Gestapo. Der für die NS-Führung angefertigte Bericht über die "Rote Kapelle" vermittelt das Bild eines zentral geführten, eng miteinander verflochtenen und hocheffizient arbeitenden sowjetischen Agentennetzes in Westeuropa.
Die Berliner Freundschafts- und Widerstandskreise werden kurzerhand diesem Netz zugeordnet, als Berliner Ableger, als Zweigstelle. Roeder stellt keine eigenen Recherchen mehr an; er übernimmt die von der Gestapo vorgelegte Darstellung und spitzt sie noch zu, um die schwer einzuordnende Schulze-Boysen-Harnack-Gruppe dem Feindbild "einer allgegenwärtigen, von Moskau gesteuerten kommunistischen Verschwörung" zuordnen zu können.

Am 15. Dezember 1942 beginnt der Prozess, gegen Schulze-Boysen und elf weitere Hauptangeklagte wegen "Hochverrats u.a.".
19. Dezember 1942: Schulze-Boysen wird wegen "Vorbereitung zum Hochverrat, Kriegsverrats, Zersetzung der Wehrkraft und Spionage zum Tode, zum Verlust der Wehrwürdigkeit und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte" verurteilt. Alle anderen Angeklagten ebenfalls zum Tode.
Bei einem zunächst milderen Urteil gegen zwei Frauen des Kreises sorgt Hitler persönlich dafür; daß ein erneutes Verfahren gegen sie ebenfalls die Todesstrafe ausspricht.
Für Schulze-Boysen und drei weitere Verurteilte ordnet Hitler persönlich die Vollstreckung des Urteils durch Erhängen an; er wünscht einen besonders "schimpflichen" Tod.
Schon vor Prozeßbeginn war im Hinrichtungsschuppen in Berlin-Plötzensee für das Erhängen ein Eisenträger eingezogen worden. An diesem befinden sich die berüchtigten "Fleischerhaken". Sie sollen die Arbeit der Henker"erleichtern" und beschleunigen.

Am 22. Dezember 1942 –zwei Tage vor Heiligabend- finden die Hinrichtungen der Verurteilten statt: durch Erhängen oder Enthaupten.
Harro Schulze-Boysen ist zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt.

Es folgen weitere Verfahren gegen den Schulze-Boysen-Harnack-Kreis im Jahre 1943.

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Ruben
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Bericht door Ruben »

Helaas ken ik geen Duits :)
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Proos
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Bericht door Proos »

Een korte samenvatting zou ook wel fijn zijn :)
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Harro
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Bericht door Harro »

Dit is al een korte samenvatting :)
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Ruben
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Bericht door Ruben »

Trouwens verwonderd zijn over een nickname ben ik nooit. Of je nu hitler of f**k stalin of kamiel debiel zou kiezen is me allemaal hetzelfde..zolang er maar verstandige praat uitkom.t :)
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johan willaert
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Bericht door johan willaert »

Of Remarque??

Man, man, zo'n posts!!!! Wie leest dat nu helemaal??

Jij bent toch wel kampioen, meer dan 50 berichten in minder dan 24Hr...

Johan
Laatst gewijzigd door johan willaert op 04 nov 2004, 22:39, 2 keer totaal gewijzigd.
29th Let's Go!!!!!
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Harro
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Bericht door Harro »

Ruben: Mijn bericht is danook niet specifiek op jou gericht.
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Harro
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Bericht door Harro »

johan willaert schreef:Of remarque??
Qua verstandige taal bedoel je? Ach, die is zo makkelijk te sturen. Het kost steeds wat tijd maar dan komt hij er steeds vanzelf achter dat er iets mankeert aan zijn argumenten en dan wist hij weer al zijn berichten :wink:
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Thomas
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Lid geworden op: 02 nov 2003, 16:15

Bericht door Thomas »

Luftwaffe-Oberleutnant Boysen was al vanaf het begin een communistisch geïnspireerde anti-Nationaal-Socialist. Na arrestatie (en vermoedelijke mishandeling) een tijdje geluwt alhoewel zijn politiek denkbeeld hetzelfde bleef. Opleiding aan een Luftwaffe-school (ik dacht een seinersdienst?), daarna (vreemd genoed) een hoge positie aan de LW-Führungsstab. In deze functie heeft hij toegang tot geheime documenten. Tegen deze tijd (1941-1942) was hij duidelijk communistisch geworden en speelde gevoelige staatsinformatie door aan Moskau. Hoogverraad eerste klasse. De contra-intelligentiediensten kraakten een bericht uit Moskau waarbij zijn naam werd vermeld. Opgepakt en opgehangen. Later werd hij bij leden van de beruchte 'Rote Kapelle' ingedeeld.

Het geval is te vergelijken met Ethel en Julius Rosenberg, twee Amerikaanse communisten (beiden lid van een of andere communistische jeugdbeweging) die in 1953 de elektrische stoel kregen voor hoogverraad: ze hadden gevoelige militaire plannen aan Moskau doorgespeeld.
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